Raphael

Reift
Weingartstrasse 7

3014 Bern
079 418 35 05

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Erinnern

mit Spinnenbeinen die

neuronalen Netzwerke

abtasten ein

Strom fliesst durchs

Gedächtnis die

Stahlspinne rostet im

Eingedenken

Tinte blutet aufs Blatt der

Hals meines Tintenfasses

gibt ein letztes Würgen

von sich und zersplittert

in den Abendhimmel

 

die Scherben leuchten ein

Stern wandert durchs

Zeitgewebe und verstrickt sich

meine stumpfen Stricknadeln

reissen Löcher ins Zeitgewebe

meine Stoffe sind löchrig das

Gedächtnis ergraut und die

Grauen bleiben in der Hirnrinde

eingebrannt das Leben ist

manchmal Meeresbrandung

manchmal Waldbrand

Grauzone Babel

blattumsilbert

umblättert von

Silbenreihern

Supergrau

Sprachlosigkeit

grausame Fabel

Grauzone Babel

gefrässige Rosen

schreien nach Nahrung

ich öffne meine Herzkammern

schütte sie aus

über den Küchentisch

bereite zu ein köstliches Mahl

und füttere sie

Mahl für Mahl für Mahl

doch nimmer werden sie satt

sie gieren nach mehr

doch meine Kammern sind leer

Titangesicht mit

Schattenfurchen

bergwärts: Augenhöhlen

mit kristallinen Pupillen

Lavaströme den

Schattenfurchen entlang

wunde zeitzerfressene

Finger versuchen sie

wegzuwischen das

Dornenrankenherz im

Brustkorbgefängnis brennt

Dämmerung der versteinerten

Nachtigallen

Wüste

Sanddünen

sandverwaschen

tumblertrocken

zerknittert

Falten umgarnen meine

Waschmaschinenaugen

drehen und drehen

 

es rüttelt etwas

in der Bildebene

Ein Narr steht vor dem Ab-

grund des

Schweigens schreit

Worte hinunter

 

und

 

wartet auf Ant-

Popcorn und Schokodrinks

Schallplatten mit Märchen

klackernde Stricknadeln

Grossmutter flickt das

Zeitgewebe

 

Wir sammeln Bovisten im

Bremgartenwald

Aschenvulkane

 

Heute betrachte ich ihre

Urne und das

vergessenszerfressene

Zeitgewebe

Worte suchen ihre Flügel

mit Gedächtnisstaub

bedeckt keine Bewegung

sonst fliegen die

Schmetterlinge ins

Vergessen

Aornum in Threspotis

 

Das Tor in die Erinnerung

kann nicht geöffnet werden

Charon verlangt ein Wort

das Niemand kennt

Niemand ist auf Reisen und

öffnet das Tor

das Wort ist dem

Vergessen in die

Stirne gebrannt

Kälteeinbruch Vergangenheit

Raureif bildet sich am

Hirnstamm

Duftbruch und Schrunde

in der Hirnrinde

Zwischen den Worten

die ich dir sagen wollte

aber verschwieg

und den Worten

die ich dir verschweigen wollte

dir aber sagte

schwebt die Zerknirschung über

zu wenig Zuwendung und

Zärtlichkeit

Wegelagerer liegen am

Wegrand und verwesen

Moos wächst ihnen im Gesicht

sie haben sich ihre Zähne

an der vorbeigehenden Zeit ausgebissen

als sie auf den richtigen Augenblick

 

warteten

die ausgehöhlten Fundamente

der Sinntürme bröckeln

begriffsstutzige Bauarbeiter

stürzen in den Abgrund der

Absurdität wo das Ende

bleibt

was es ist:

 

sinnlos